Gedichte
eine Auswahl, entstanden ab 2006
Das Tuch (2023)
Das Tuch
Sonntags im Hellen, morgens um sechs
Das Rote der Sonne, der Nebel noch wächst
Über den Feldern, dicht wie ein Tuch
Hinter den Ziegeln steigt Dampf, ein Geruch.
Sonntags im Hellen, morgens um sechs
Strahl´n brechen durchs Glas, durch das Gewächs
Der Stoff auf der Bank verdeckt in Schwermütigkeit
Leicht den Dampf, die Hitze - sie steigt weiter als weit.
Ein Schrei ertönt, ein Poltern, ein Fallen
Das Rot tropft nur weiter, ohne Verlangen
Wurd´ es zerdrückt, zerlegt und vernichtet
Doch das Rot, das tropft weiter; der Nebel, der lichtet.
Sonntags im Hellen, morgens um sechs
Der Garten ist hell, langsam erwächst
Die Blume, sie streckt die Arme zur Sonne
Es erwachen die Kinder im Poltern der Wonne.
Die Großmutter Clara zerdrückt und zerlegt
Die Beeren vom Vortrag, frisch eingelegt
Das Rot, das tropft weiter, die Hunde, die bellen
Die Kinder, die poltern - schon sonntags im Hellen.
Sonntags im Hellen, morgens um sechs
Das Rot noch der Sonne, der Nebel noch wächst.
-Juli, 2023-
Verfallen (2015)
Verfallen
An schwarzen Tagen, in blassen Momenten,
im Glücke der Hölle, im Finstern der Wiegen,
wo Ängste und Furcht niemals enden,
wo Liebe und Feindschaft in Nässe liegen.
Dort im Finstern und im Hellen
lauert all das Grauen in toten Herzen.
Am Strande, die Sonne, das Streichen der Wellen,
finster im Flackern der dunklen Kerzen.
Eine schwarze Gestalt bewegt sich schwer,
singt das Lied von Leben und Tod.
Ohne die Worte wär sie so leer,
von der Stille des Schweigens verlacht und bedroht.
Und wie sie so leicht im Winde weht
und ihre Worte die Felsen beschallen,
keiner bemerkt, wie es ihr geht,
blind und taub dem Kummer verfallen.
-2015-
verantwortung (2015)
verantwortung
drück mich nicht gegen die wand
und leg das schwert nicht in meine hand
ich will, dass du dich bewaffnet vor mich stellst
sodass ich entscheid´, ob ich mich dir entgegen stell.
den kampf, den will ich selbst entscheiden,
entscheiden, ob ich ihn kämpf´.
den kampf, den sollst nicht du entscheiden,
ich will entscheiden, ob ich ihn kämpf´.
das schwert, das nehme ich selbst dann auf.
und richte es dann gegen dich.
das schwert, das ist nur meinetwegen,
ich richte es dann gegen dich.
doch drück mich nicht gegen die wand.
und zwing das schwert nicht in meine hand.
-2015-
panik (2015)
panik
ich kann mich kaum bewegen
ich stolper bloß durchs leben
setze ein´ fuß vor den andern
versuch zu gehen, laufen, wandern
doch dann stürz ich, fall ich, knall ich
flieg zu boden, denn ich weiß nicht,
wie ich ganz normal durchs leben geh
wie ich mein leben übersteh.
-2015-
Schritte der Nacht (2013)
Schritte der Nacht
Der Mond schien helle am Firmament,
kein Wölkchen trübte einen Stern.
Es war Weihnacht am dritten Advent,
doch die Freude schien mir fern.
Ich war allein auf nächtlichen Straßen,
war recht traurig, Tränen brannten.
Bloß zwei Penner am Rand da saßen,
sahen nicht, sich nicht umwandten.
Ich blickte zurück, sah mein Leiden,
wollt' doch vergessen, was mich quälte.
In meinem Rücken, Trauerweiden,
ein wenig Schnee sich mir gesellte.
So grausam tat das Foltern der Nacht,
was mich trieb, diese Tat zu vollbringen.
Es war so einfach mit seiner Macht
mit der hoffnungslosen Angst zu ringen.
Viel zu früh kam die Zeit -
oh, bin ich doch so jung gewesen!
Sah nicht mein Leben, nicht so weit,
viel zu schnell bin ich verwesen.
Die Penner noch am Rand da saßen
und mich sahen, als ich fortblickte.
Sie riefen laut in höchsten Maßen
als mein Leben zum Abschied winkte.
-2013-
geradeaus (2007)
geradeaus
und sie ging einfach geradeaus.
immer geradeaus.
sie drehte sich nicht ein einziges mal um.
sie wusste eh nicht, wo sie war.
aber wozu auch?
sie war alt, hässlich und verlassen.
sie war allein.
und sie ging immer geradeaus.
immer geradeaus.
-2007-
Die Erde heiß und tot (2007)
Die Erde heiß und tot
Wenn die Welt keine Eisbären mehr kennt,
wenn die Welt sich nach Wasser sehnt,
wenn die Welt keinen Delfin mehr nennt,
wenn die Welt sich an endlose Steinen lehnt,
dann wird es uns beide nicht mehr geben,
doch unsere Spuren wird man kennen.
Auf unserer Erde, wenig Leben.
Doch die Zeit wird weiter rennen.
-2007-